Kein gutes Jahr für Züge
26. März 2010 Hinterlasse einen Kommentar
Sack(o)gasse
Ich moderiere das Magazin Kowalski trifft Schmidt gemeinsam mit einer sehr hübschen, 26jährigen Moderatorin, das ist kein Geheimnis. Meine Chefin wünschte sich neulich, dass ich vor der Kamera ein Sakko trage. Ich habe nichts gegen Sakkos. Ich trage sogar gerne welche, nur passen müssen sie. Im Schrank hängen einige, vor allem schwarze, denn die kann man immer tragen: Beim Dinner, bei der Firmenmoderation, zur Jeans und zu jedem Hemd. Es gibt schwarze mit roten Nadelstreifen, schwarze mit beigen Nadelstreifen, schwarze mit schwarzen Streifen (unterschiedlich gewebt, clever) und schwarze ohne Streifen. Dann gibt es moderne Anzüge – der grüne mit den weißen Nadelstreifen etwa oder der graue mit den blauen, breiten Streifen. Jedenfalls wirken sie modern, wenn ich sie auf Business-Veranstaltungen trage, wo alle anderen ganz konservativ gekleidet sind. Das sind Anzüge, die Spaß machen. Jedenfalls wenn man sie als Anzug trägt. Wenn man nur das Sakko trägt, dann passt es irgendwie nicht. Dann sagen der Schnitt und der Stoff “ich bin nicht dafür gemacht, dass man mich zur Jeans trägt”. Trage ich die Sakkos also “solo”, sehen sie doof aus. Trage ich den ganzen Anzug, wirke ich neben der schönen, sportlichen, jungen Ola Rosiak zu alt und arriviert.
Das habe ich meiner Chefin auch gesagt und sie hat es verstanden. Wir haben vereinbart, dass ich mich nach dem nächsten Dreh mal in Ruhe nach modernen Sakkos umsehen werde. Das Problem ist nur: Ich gefalle meiner Chefin gern. Und ich kaufe auch gern neue Klamotten. Ohne es zu ahnen, hatte folglich der Gedanke, in einem modernen, sportlichen Sakko zu moderieren, von mir Besitz ergriffen. Nun musste ich also nur noch Besitz von einem passenden Jackett ergreifen. Also ließ ich mich von meinem sympathischen, ortskundigen, geschmackssicheren Redakteur Krzysztof Czajka beraten, wo in Wrocław man ein solches Sakko kaufen könnte. “Das wird schwer”, ermutigte er mich und schleppte mich in die nächste Mall. Hätte man mich in den Läden nicht mit “Dzien Dobry” begrüßt, ich hätte schwören können, ich wäre immer noch in Berlin, denn mich begrüßten die altvertrauten H&Ms, New Yorkers, und Pierre Cardins dieser Welt. Was sie allesamt nicht hatten, waren moderne Sakkos. Eines bei H&M gefiel mir ganz gut, aber meine Größe war nicht vorhanden. Auch das also genau wie in Deutschland. Also drehten wir in der Mediatek ohne Sakko, was auch ganz gut zu dem modernen Ambiente passte.
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Polnische Bahnhöfe 1 – Fehl-Anzeige
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Polnische Bahnhöfe 3 – Entgleist in Posen
Gott sei Dank ist in Posen alles ein wenig anders. Die Ansage war überdies mehr als erfreulich. “Der Zug nach Berlin…planmäßig…19.23…Peron 1…in 20 Minuten”. Na wunderbar! 17 Minuten später die nächste Ansage “Der Zug nach Berlin…planmäßig…19.23…Peron 1…einsteigen bitte”. Zwar war der Zug lang und ich konnte den Waggon, für den ich eine Platzreservierung nicht gleich finden, aber die 1. Klasse Abteile waren leer (ich kann niemandem raten, in Polen 2. Klasse zu fahren) und wie beschrieben auf dieser Strecke wirklich luxuriös. Tor hatte überhaupt nur einen Peron 1 und voilá: Peron 1Gott sei Dank ist in Posen alles ein wenig anders.Hier gibt es exzellente Ansagen aus wohlklingenden Lautsprechern und was noch besser ist: Es gibt sie auch auf deutsch. Der freundliche Einheimische wies mir den Weg zu
Polnische Bahnhöfe 4 – Ein feiner Zug
Teamwork
Eins muss man den Schaffnern an Bord des Express-Zuges nach Wrocław lassen. Innerhalb von zehn Minuten hatten sie eine völlig unbürokratische Möglichkeit gefunden, mich am gleichen Abend doch noch nach Hause zu bringen. Der Schnellzug hielt kurzerhand außerplanmäßig in einem winzigen Kaff, ein Regionalzug nahm mich eine halbe Stunde später mit nach Breslau und ich erreichte den letzte Zug, der noch nach Berlin ging – das alles mit einem falschen Ticket für diese Richtung, das niemand beanstandete und mit voller Unterstützung aller beteiligten Schaffner. Ich musste nicht ein einziges Mal irgendetwas ausfüllen, unterschreiben, mich ausweisen oder an irgendeinen Schalter gehen. Vielleicht tue ich der deutschen Bahn unrecht, aber so etwas kann ich mir bei uns nicht vorstellen. Also vielen Dank, liebe Schaffner und liebe Mitarbeiter von Van Graaf: Ihr habt euer Bestes gegeben. Ich schrieb diesen Eintrag immerhin am gleichen Tag… auf dem Weg nach Hause.